Hospital zum Heiligen Geist
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Blutvergiftung erkennen und Leben retten

Sie kann sich aus einer Lungenentzündung entwickeln, aus einem Harnwegsinfekt oder einer infizierten Wunde – und innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden: Die Blutvergiftung, auch Sepsis genannt, gehört zu den gefährlichsten Komplikationen einer Infektion. Entscheidend ist hier, dass möglichst schnell die Behandlung eingeleitet wird. Dafür unerlässlich: Die Blutvergiftung auch als solche zu erkennen!

Anlässlich des Welt-Sepsis-Tags informiert Dr. Nico Lorenz, Chefarzt der Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin am Hospital zum Heiligen Geist.

Kann man denn ganz pauschal sagen, was bei einer Sepsis im Körper passiert?

Dr. Lorenz: Tatsächlich ist das Krankheitsgeschehen relativ komplex und vielen so gar nicht bewusst. Wichtig ist auf jeden Fall zu wissen: Ausgangspunkt ist immer eine Infektion – verursacht beispielsweise durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Gerät die Reaktion des Körpers auf diese Infektion außer Kontrolle, können lebenswichtige Organe geschädigt werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem septischen Schock und zum Versagen mehrerer Organe.

Und das ist dann lebensbedrohlich? 

Dr. Lorenz: Absolut! Die Gefahr ist sogar erheblich: In Deutschland versterben etwa 20 bis 30 Prozent der Menschen, die an einer Sepsis erkranken. Damit möchten wir niemanden verängstigen. Aber: Es ist wirklich wichtig, sie früh zu erkennen.

Woran?

Dr. Lorenz: Die erste Frage lautet: Liegt eine bekannte Infektion vor? Häufig sind das beispielsweise Infektionen der Lunge oder der Harnwege. Auch entzündete Wunden, Infektionen im Bauchraum oder andere zunächst lokal begrenzte Infektionen können sich zu einer Sepsis entwickeln. 

Und wenn die Antwort auf diese Frage „Ja“ lautet, gibt es dann in einem zweiten Schritt Symptome, auf die geachtet werden sollte?

Dr. Lorenz: Die gibt es, leider sind sie aber oft unspezifisch. Plötzlich auftretende Verwirrtheit, Kurzatmigkeit oder eine ungewöhnlich schnelle Atmung gehören dazu, ebenso Herzrasen, Fieber und Schüttelfrost. Und auch starkes Schwitzen sowie ausgeprägte Schmerzen oder ein außergewöhnlich starkes Krankheitsgefühl können Warnzeichen sein. Gerade wenn eine Kombination mehrerer dieser Symptome vorliegt, raten wir, lieber einmal zu oft ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen als einmal zu wenig. Eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands sollte immer ernst genommen werden. Wenn Sie diesen feststellen, wählen Sie die 112! 

Was passiert, wenn tatsächlich eine Sepsis im Raum steht?

Dr. Lorenz: Dann ist unverzügliche medizinische Hilfe notwendig. Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Bei uns im Krankenhaus beginnt bei einem Sepsisverdacht unmittelbar die Diagnostik und Behandlung. Dazu gehören unter anderem die Kontrolle von Kreislauf, Atmung und Organfunktionen sowie Blutuntersuchungen und die mikrobiologische Diagnostik. Bei einer bakteriellen Sepsis werden Antibiotika eingesetzt; Infusionen können dazu dienen, den Kreislauf zu stabilisieren. Bei schweren Verläufen ist häufig eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. Je nach Ursache können weitere Maßnahmen bis hin zu einem operativen Eingriff erforderlich sein, um den Ausgangspunkt der Infektion zu beseitigen. 

Also gibt es hier ganz strukturierte Abläufe?

Dr. Lorenz: Ohne diese würde es gar nicht gehen. Auch die 2025 aktualisierte S3-Leitlinie zur Sepsis empfiehlt Krankenhäusern ausdrücklich ein Qualitätssicherungsprogramm mit Sepsis-Screening für akut erkrankte Hochrisikopatientinnen und -patienten sowie standardisierte Arbeitsanweisungen für die Behandlung.

Und das ist auch im Kempener Hospital im Einsatz?

Dr. Lorenz: Selbstverständlich! Unsere Qualitätssicherung beschäftigt sich im Rahmen einer eigenen Sepsisgruppe sogar ganz gezielt mit dem Krankheitsbild. Ergänzend schulen wir intern zur Früherkennung und Behandlung einer Blutvergiftung. Es ist uns ungemein wichtig, dass unterschiedlichste Berufsgruppen gleichermaßen für mögliche Warnzeichen sensibilisiert werden und ein gemeinsames Verständnis für die notwendigen Abläufe herrscht. Und auch für Patientinnen, Patienten, Angehörige und Besucher haben wir Informationsmaterial zum Thema Blutvergiftung. Das Ziel aller Maßnahmen in unserem Haus – und der Leitsatz, den wir auch der Öffentlichkeit mitgeben möchten – ist deshalb ebenso einfach wie entscheidend: Sepsis früh erkennen und Leben retten!

 

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