Harn- oder Stuhlinkontinenz kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Viele Betroffene ziehen sich aus dem Alltag zurück, obwohl es heute wirksame Therapien gibt. Eine dieser modernen Möglichkeiten ist die Neuromodulation, auch sakrale Neuromodulation oder Nervenstimulation genannt.
Unterschiedliche Nerven steuern die Funktion von Blase, Darm und Beckenboden. Durch sanfte elektrische Impulse soll das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskulatur wieder verbessert werden. Man kann sich die Methode ähnlich wie einen „Schrittmacher“ vorstellen – nur nicht für das Herz, sondern für die Blasen- und Darmfunktion.
Die Behandlung kann hilfreich sein bei:
Sie kommt in Frage, wenn andere Therapieformen wie Beckenbodentraining, Medikamente oder Verhaltenstherapie nicht ausreichend geholfen haben.
Die Therapie erfolgt in zwei Schritten:
1. Testphase
Zunächst wird eine dünne Elektrode in der Nähe des Kreuzbeins eingesetzt, um den sogenannten Sakralnerv (meist S3) zu stimulieren.
Der Stimulator wird für einige Tage bis Wochen extern getragen.
In dieser Zeit kann man prüfen, ob die Symptome sich deutlich bessern.
2. Dauerhafte Implantation
Wenn die Testphase erfolgreich ist, wird in einem kleinen Eingriff ein dauerhaftes Stimulationsgerät unter die Haut eingesetzt – ähnlich einem Herzschrittmacher.
Der Patient erhält eine Fernbedienung, um die Stärke der Stimulation selbst anzupassen.
Wie bei jedem medizinischen Eingriff können Nebenwirkungen auftreten:
Die meisten Probleme lassen sich gut behandeln oder durch Nachjustierung beheben.
Neuromodulation ist eine wirksame, gut verträgliche und reversible Behandlungsmethode für Menschen mit Harn- oder Stuhlinkontinenz. Sie kann helfen, die Kontrolle über Blase und Darm wiederzuerlangen und somit ein aktives, selbstbestimmtes Leben zu führen.
Wenn Sie diese Therapie in Betracht ziehen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Gemeinsam kann entschieden werden, ob eine Neuromodulation für Sie geeignet ist.