Die Leitung der Operativen Gynäkologie übernimmt Dr. med. Sonja Kukuk, die bereits seit Mai 2024 als Chefärztin das Interdisziplinäre Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Hospitals leitet. Als Fachärztin für Gynäkologie und Urologie vereint sie die Expertise zweier eng miteinander verbundener Fachrichtungen. Im Interview erklärt sie, welche Behandlungsmöglichkeiten das Hospital bietet und warum gerade bei Beckenbodenbeschwerden eine fachübergreifende Versorgung so wichtig ist.
Frau Dr. Kukuk, die Gynäkologie am Hospital Kempen richtet sich neu aus. Was bedeutet das konkret für die Patientinnen?
„Viele gynäkologische Operationen, die früher einen längeren Krankenhausaufenthalt erforderten, können heute ambulant oder mit einem kurzen stationären Aufenthalt durchgeführt werden. Darauf richten wir unser Angebot gezielt aus. Wir konzentrieren uns künftig auf geplante operative Eingriffe bei gutartigen gynäkologischen Erkrankungen. Dazu gehören insbesondere schonende Operationen mittels Bauchspiegelung, Gebärmutterspiegelungen beispielsweise zur Entfernung von Polypen sowie Gebärmutterentfernungen, wenn diese medizinisch sinnvoll oder notwendig sind. Auch kleinere gynäkologische Eingriffe gehören zu unserem Spektrum. Entscheidend ist für uns aber nicht die Operation selbst, sondern die richtige Behandlung für die jeweilige Patientin. Deshalb beraten wir ausführlich, welche Möglichkeiten bestehen und ob ein Eingriff überhaupt notwendig ist.“
Ein besonderer Schwerpunkt bleibt das Interdisziplinäre Kontinenz- und Beckenbodenzentrum. Was zeichnet die Versorgung dort aus?
„Die Funktionen von Blase, Darm und Beckenboden hängen eng miteinander zusammen. Deshalb lassen sich viele Beschwerden nicht einem einzelnen Organ oder Fachgebiet zuordnen. Bei uns arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte aus Gynäkologie und Urologie unmittelbar in einer Abteilung zusammen. Zusätzlich sind wir eng mit der Proktologie, die sich mit Erkrankungen des Enddarms beschäftigt, vernetzt und führen teilweise auch gemeinsame Operationen durch. So behandeln wir nicht nur Harninkontinenz und Senkungsbeschwerden, sondern beispielsweise auch Blasenentleerungsstörungen, wiederkehrende Harnwegsinfektionen, Stuhlinkontinenz und Probleme bei der Darmentleerung. Durch die enge Zusammenarbeit können wir auch komplexe Beschwerden umfassend untersuchen und individuell behandeln.“
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Beckenbodenerkrankungen? Ist eine Operation immer notwendig?
„Nein, keineswegs. Nicht jede Inkontinenz ist gleich und nicht jede Senkung muss operiert werden. Deshalb ist es zunächst wichtig, die genauen Ursachen der Beschwerden herauszufinden. Dafür stehen uns verschiedene Untersuchungsmethoden zur Verfügung, beispielsweise die Urodynamik zur Überprüfung der Blasenfunktion oder eine spezielle Ultraschalluntersuchung des Beckenbodens. Damit können wir das Zusammenspiel von Blase, Harnröhre, Gebärmutter, Enddarm und Beckenboden genauer beurteilen. Je nach Ursache kommen unterschiedliche Behandlungen infrage, die ohne Operation auskommen. Dazu gehört beispielsweise die Pessartherapie, bei der eine spezielle Stützhilfe eingesetzt wird, um den Beckenboden beziehungsweise gesenkte Organe zu unterstützen. Wenn solche Behandlungen nicht infrage kommen oder nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann auch eine Operation sinnvoll sein. Welche Therapie die richtige ist, entscheiden wir gemeinsam mit den Betroffenen. Dabei berücksichtigen wir immer auch ihre persönlichen Wünsche und ihre Lebenssituation.“
Viele Betroffene sprechen nur ungern über Inkontinenz oder Beckenbodenbeschwerden. Was möchten Sie diesen Menschen mitgeben? „Harn- oder Stuhlinkontinenz, Entleerungsstörungen oder Senkungsbeschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Manche Betroffene ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, vermeiden Sport oder planen ihren Alltag danach, wo sich die nächste Toilette befindet. Viele nehmen diese Einschränkungen über Jahre hin, weil sie sich schämen oder glauben, dass solche Beschwerden mit zunehmendem Alter unvermeidbar seien. Dabei stehen uns heute vielfältige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Nicht immer lässt sich jedes Problem vollständig beheben, aber häufig können wir die Beschwerden deutlich lindern und damit die Lebensqualität verbessern. Mir ist besonders wichtig, dass sich die Betroffenen ernst genommen fühlen und offen über ihre Beschwerden sprechen können. Dafür nehmen wir uns bewusst Zeit.“
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten?
„Eine ganz zentrale. Wir verstehen uns als spezialisierte Ergänzung zur ambulanten Versorgung. Die niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzte, Urologinnen und Urologen sowie Hausärztinnen und Hausärzte sind für viele Betroffene die ersten Ansprechpartner und kennen deren Krankengeschichte oft über viele Jahre. Wenn eine weiterführende Untersuchung, eine spezialisierte Behandlung oder ein operativer Eingriff notwendig wird, können wir diese Versorgung gezielt ergänzen. Dabei legen wir großen Wert auf kurze Kommunikationswege und eine enge Abstimmung, damit die einzelnen Behandlungsschritte gut ineinandergreifen.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Gynäkologie am Hospital Kempen?
„Wir möchten als verlässliche Anlaufstelle für spezialisierte operative Gynäkologie und interdisziplinäre Beckenbodenmedizin in der Region wahrgenommen werden. Unsere Stärke liegt in der Verbindung aus medizinischer Spezialisierung und persönlicher Betreuung. Wir sind eine überschaubare Abteilung mit einem erfahrenen Team und klaren Zuständigkeiten. Unsere Patientinnen und Patienten sollen wissen, wer sie behandelt, und sich darauf verlassen können, dass ihre Beschwerden ernst genommen werden. Vor allem möchten wir zeigen, dass hochwertige spezialisierte Medizin und eine persönliche, zugewandte Betreuung kein Widerspruch sind. Genau dafür stehen wir mit unserem Team.“
Informationen und Terminvereinbarung
Patientinnen und Patienten können Termine über Doctolib, das Zentrale Patientenmanagement des Hospitals unter 02152 142-1420 oder per E-Mail an zpm-kem@artemed.de vereinbaren. Weitere Informationen zum Behandlungsspektrum finden Interessierte unter www.krankenhaus-kempen.de.






















